Von der Glasherstellung in Ziegenhagen

Glasherstellung

 

Um 1500 kamen aus dem böhmisch-sächsisch-thüringischen Raum wandernde Glasbläser in den Kaufunger Wald. Wie ein Köhler seinen Meiler, so errichteten die Glasbläser mitten im Wald ihre Glasfabrikationsanlagen. Der Baumbestand diente als Brennmaterial, und quarz- haltiger Sand, der sich überall anbot, als Rohstoff. War eines von beiden ausgegangen, zog man ein Stück weiter und fing von Neuem an.

 

Um den Waldbestand nicht zu gefährden, schlossen die Herren von Buttlar 1641 einen Vertrag mit den Glasbläsern Volkmar Becker und Esaias Gundlach ab. Darin wurde betont, dass der Holzabbau nicht dazu führen dürfe, dass der Wald vernichtet würde.

 

Eine feste Glashütte wurde etwa 1780 an der Stelle des heute gleichnamigen Ortsteiles errichtet. Auch der Nymphenteich ist durch den Bau der Glashütte entstanden. Durch Aufstauung des Steinbergbaches und mittels einer römischen Wasserleitung wurde die Wasserversorgung der Glashütte sichergestellt. Zum Transport der mit bis zu 100 Zentnern mit Glas beladenen Wagen hielt man sich ca 15 Pferde.Wöchentlich rollten 3 Fuhrwerke den beschwerlichen Weg über den Steinberg nach Kassel.

 

Auf der Glashütte herrschte damals reges Leben. Zeitweise kamen von der “Hütte” mehr Kinder zur Schule als vom eigentlichen Ort. Auch hatten die Glashütter eigene Vereine, eine Wirtschaft mit Saal, und sie pflegten ganz besonders die Geselligkeit.

 

Wegen Transportschwierigkeiten wurde die Glashütte 1907 nach Immenhausen (nördlich von Kassel) verlegt. Mit der Hütte zogen an die 200 Menschen von Ziegenhagen fort. Daran kann man die Bedeutung ermessen, welche das Werk für Ziegenhagen einst gehabt hat.

 

Schon damals gingen die Erzeugnisse bis nach China und Amerika. Vom einfachen Flaschenglas bis zu hochwertigen Gerätschaften aus Glas für die pharmazeutische Industrie wurde hergestellt.

 

Die Häuser, die im Ortsteil Glashütte heute noch stehen, waren zumeist Wohngebäude. Die eigentliche Fabrikanlage wurde abgerissen. Die Wohnhäuser wurden von der von Buttlar´schen Verwaltung an die heutigen Besitzer verkauft. Inzwischen ist der ehemals eher abgelegenen Ortsteil mit dem übrigen Ort zusammengewachsen.

 

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